Der Siebdruck, in seiner heutigen Grundform, entstand in China etwa im 10. Jahrhundert v. Chr. Er ist die älteste Drucktechnik, abgesehen von der einfachen Methode, einen mit Farbe getränkten Gegenstand auf eine Oberfläche zu drücken. Seine Entstehung war eng mit der technologischen Entwicklung des Landes und der Nachfrage nach dekorativen Gestaltungen verschiedener Textilien, einschließlich Seide, verbunden.
Ohne die Beherrschung der Seidenherstellung wäre es nicht möglich gewesen
Das Prinzip des Siebdrucks hängt von einem feinen, hochwertigen und dicht gewebten Stoff ab. Seide erfüllte diese Anforderungen. Die Druckform bestand aus einem einfachen Holzrahmen, auf dem Seide gespannt war. Mit Hilfe von Naturharzen oder Wachs wurde das Druckmotiv von Hand auf dem Rahmen erstellt. Das Prinzip besteht darin, dass die Bereiche, die gedruckt werden sollen, offen bleiben, während die nicht zu druckenden Bereiche mit Harz oder Wachs abgedeckt werden.
So bereiteten die antiken Meister ihre Druckmotive vor und konnten sie viele Male in gleichbleibender Qualität wiederverwenden. Der Drucker trug Farbe auf den Rahmen auf und übertrug mit einer Holzrakel das Motiv auf den gewünschten Gegenstand. Der Rahmen wurde auf das zu bedruckende Objekt gelegt, und mit der Rakel wurde die Farbe durch das Motiv gedrückt. Die abgedeckten Teile des Rahmens hielten die Farbe zurück, während die offenen Bereiche die Farbe auf den Gegenstand übertrugen – meist auf andere Textilien zur weiteren Verwendung, auf Papier oder Leder.
Die alten Meister beherrschten auch den Mehrfarbendruck
Natürlich musste für jede Farbe ein eigener Druckrahmen hergestellt werden. Auf diese Weise konnten sie eine große Anzahl von Drucken viel schneller herstellen und jederzeit wiederholen. Dies hing jedoch von der Lebensdauer der Druckrahmen ab. Ein eigenes Kapitel war die Herstellung und Verwendung der Farben. Die Farben wurden aus Mineralpigmenten oder Pigmenten pflanzlichen und tierischen Ursprungs hergestellt. Als Bindemittel dienten pflanzliche Harze und Stärken.
Europa musste auf den Siebdruck warten
Diese Drucktechnik gelangte relativ spät in andere Teile der Welt. Einige Quellen geben an, dass sie im 18. Jahrhundert nach Europa gelangte, etwas früher jedoch in die arabischen Länder, wo der Siebdruck bereits im 14. Jahrhundert bei der Tapetenherstellung verwendet wurde. Meiner Meinung nach gelangte der Siebdruck durch den Handel mit dem Orient früher auch nach Europa. Beweis dafür sind Stofftapeten, die in vielen historischen Gebäuden erhalten geblieben sind.
Im 18. Jahrhundert beherrschten einige Zünfte in Europa bereits die Tapetenherstellung mit der Flocktechnik. Dabei handelte es sich um eine äußerst dekorative Oberflächenveredelung, die in jener Zeit sehr geschätzt und selten war. Das zukünftige Muster wurde mit Klebstoff auf das Gewebe aufgetragen, der mittels Siebdruck aufgebracht wurde. In den noch feuchten Klebstoff wurden gefärbte Textilfasern manuell eingeblasen. Durch die haftenden Fasern wurde das Muster auf der Tapete sichtbar.
Siebdruck lernt man nicht in der Schule
Wer Siebdruck studieren möchte, müsste nach China oder Indien reisen. In Europa und den USA gibt es keine entsprechenden Bildungseinrichtungen. Hierzulande wird dieses Handwerk von Mensch zu Mensch weitergegeben, wodurch Generationen von Druckern diese interessante Drucktechnik entdecken können. Der bekannteste Fachmann in Europa ist der Franzose Michel Caza. Dank seiner Arbeit erlebt der Siebdruck eine Renaissance, gehört zu den modernen Technologien und findet Anwendung im industriellen und künstlerischen Druck, in der Textilproduktion und in der Werbung.
Das Prinzip blieb, die Materialien änderten sich
Der heutige Siebdruck basiert grundsätzlich auf demselben Prinzip, verwendet jedoch moderne Materialien. Die Rahmen bestehen aus Metall, das Gewebe variiert je nach Anwendung – bis hin zu Metallgeweben für großvolumige Drucke. Das Maskieren erfolgt heute mit lichtempfindlichen Materialien und Folien. Die größten Fortschritte wurden bei den Farben erzielt. Sie sind alle von hoher Qualität, lösungsmittel- oder wasserbasiert oder bestehen aus Plastisolfarben, die durch Wärme gehärtet werden. Nicht zu vergessen sind auch UV-Farben, die durch ultraviolettes Licht gehärtet werden.
Die Zukunft ist vielversprechend
Das Zeitalter des Digitaldrucks hat den Siebdruck nicht vom Markt verdrängt – vor allem wegen seiner niedrigen Kosten. Weltweit gibt es viele Hersteller von Materialien, Geräten und Zubehör. Es werden Geräte für den manuellen Druck, Halbautomaten und vollautomatische Maschinen für großvolumige Drucke hergestellt. Die Farbenhersteller konkurrieren in Qualität und Vielfalt, und das gilt auch für andere notwendige Materialien. Wir können daher mit Zuversicht sagen, dass der Siebdruck noch längst nicht ausgedient hat und dass zukünftige Generationen diese bewährte Technologie weiterentwickeln können.




